Kategorien
Technik

Digitale Magie und Realitätsverlust

Wer in den letzten Wochen die News rund um die Filmindustrie verfolgt hat, ist unweigerlich über einen Namen gestolpert: Tilly Norwood. Doch Tilly ist keine Neuentdeckung aus einem Independent-Film, sondern ein Symptom. Ein digitales Konstrukt, das die Geister scheidet und uns die Frage aufzwingt: Wo endet die Kunst und wo beginnt Täuschung?

Die Faszination der Perfektion

Man muss ehrlich sein: Die technologische Entwicklung ist atemberaubend. Die Fähigkeit der KI, menschliche Mimik, Emotionen und Bewegungen so realistisch darzustellen, dass das „Uncanny Valley“ (das unheimliche Gefühl bei nahezu echten Kunstfiguren) kaum noch spürbar ist, fasziniert. Der Filmproduktion eröffnet das endlose Welten. Verstorbene Legenden können wieder auferstehen, Schauspieler in Sekunden verjüngt werden, und gefährliche Stunts müssen keinem Menschen mehr zugemutet werden.

Das Ende der Authentizität?

Doch mit der Begeisterung geht Verunsicherung einher. Wenn alles so perfekt, so realistisch erscheint – wie erkennen wir dann noch das Echte? In einer Branche, die vom „Star-Kult“ lebt, war Authentizität schon immer die härteste Währung. Wir lieben Filme, weil wir mit echten Menschen mitfühlen. Wissen wir aber, dass der Tränenausbruch auf der Leinwand das Ergebnis eines Algorithmus darstellt, verlieren wir dann nicht die Verbindung zum Werk?

Stars als Avatare: Sicherheit vs. Seele

Ein spannender Aspekt stellt die Sicherheit dar. Bereits heute sehen wir, dass sich an Konzerten mit Avataren (wie ABBA Voyage) ganze Stadien füllen. Insofern ist es aufgrund von Sicherheitsbedenken denkbar, dass Hollywood-Stars bald fast nur noch als digitale Klone auf den roten Teppichen oder Bühnen erscheinen – sei es als Schutzstrategie vor Stalking, Krankheiten oder physischen Gefahren. Ein Star wird so zu einer Marke, die physisch im sicheren Zuhause bleibt, während dessen Avatar seine Weltreise antritt.

Doch was löst das in uns aus? Welche Auswirkungen hat das auf uns als Gesellschaft? Nehmen wir Stars nur noch als perfekte Projektionen wahr, entfremden wir uns doch vom Menschlichen. Wir konsumieren ein Idealbild, das im echten Leben nicht existiert.

Die Flucht in die Isolation

Die größte Gefahr liegt vielleicht gar nicht einmal in der Filmtechnik selbst, sondern in unserem Umgang mit der Wahrheit. Stellt sich die digitale Welt schöner, sicherer und kontrollierbarer dar, als es das echte Leben ist, neigen wir zur Isolation. Denn dabei drängt sich individuell leicht die Frage auf: Weshalb sollte man sich der Unvorhersehbarkeit des realen Lebens aussetzen, wenn der darauf abgestimmte perfekte Content nur einen Klick weit entfernt ist?

Wir bewegen uns auf einen Scheideweg zu: Nutzt die Filmindustrie die KI als Werkzeug, um menschliche Geschichten besser zu erzählen? Oder ersetzt sie den Menschen, um Kosten zu sparen und Risiken zu minimieren?

Fazit: Wir müssen hinschauen

Die Debatte um Tilly Norwood zeigt, dass wir als Zuschauer wachsam bleiben sollten. Filme waren schon immer eine Illusion, aber sie benötigten einen Kern Wahrheit. Sollten wir uns aber in der digitalen Perfektion verlieren, riskieren wir, das zu verlieren, was Film eigentlich ausmacht: Ein Spiegel unserer menschlichen Existenz samt all ihren Ecken und Kanten.

Was denkt Ihr? Verleiht Euch die Entwicklung eher Hoffnung auf neue filmische Möglichkeiten, oder habt Ihr Angst, dass die „Magie des Echten“ endgültig verloren geht? Schreibt es uns einfach in die Kommentare!


Dieser Beitrag wurde durch die aktuelle Diskussion auf Galaxus über das „Tilly-Norwood-Symptom“ inspiriert.

Beitrag auf Galaxus zu Tilly Norwood


Performating & psychologische Sicherheit

In einem toxischen Umfeld ist Performating eine reine Überlebensstrategie. Wenn Angst herrscht – vor Fehlern oder vor dem Horn-Effekt –, verkrampft das Arbeitsgedächtnis. Man kann nicht mehr locker performen, weil man zu sehr damit beschäftigt ist, keine Fehler zu machen. Das Ergebnis ist eine steife, unnatürliche Ausstrahlung.

Aber auch in einem nicht-toxischen Umfeld ist Performating wichtig. Wenn das Arbeitsgedächtnis durch eine Aufgabe beansprucht wird, verkrampft es ebenfalls für soziale Prozesse. Man kann zwar fehlerfrei arbeiten, aber nicht gleichzeitig noch auf Befindlichkeiten anderer angemessen reagieren. Man ist schlichtweg nicht schnell genug oder zu unsicher, um hierbei gleichzeitig auf eine Befindlichkeit zu reagieren, da man mit dem Verrichten einer neuen oder ungeübten Arbeit beschäftigt ist. Beides gleichzeitig zu bewältigen, ohne in einem Bereich unsicher oder zu langsam zu sein, ist unmöglich.

Dadurch passiert folgendes: Während man sozial, zum Beispiel durch die Mimik, nicht sofort einlenkt, bemerkt man diese notwendige „Social Strength“ währenddessen zwar noch, aber es ist bereits zu spät. Man war nicht schnell genug oder zu unsicher und deshalb nicht agil genug dafür – und das Gegenüber hat in diesem Moment bereits darauf reagiert. Daraufhin kann es zudem gut sein, dass man noch unsicherer oder dadurch zu starr wird, um locker zu performen beziehungsweise das Geschehene wieder sozial glattzubügeln. Oft gibt das Gegenüber einem dann auch keine Chance mehr zur Korrektur. Das Ergebnis ist auch hier eine steife, unnatürliche Ausstrahlung, die bereits während des Prozesses entstanden ist.

Der Bezug zu digitalen Klonen; Tilly Norwood

Dieser menschliche Kapazitätsmangel im Arbeitsgedächtnis offenbart die drastische Überlegenheit eines digitalen Klons wie Tilly Norwood. Während der Mensch unter kognitiver Last sozial „einfriert“, agiert die KI absolut verzögerungsfrei. Ein digitaler Klon kann hochkomplexe Daten verarbeiten und gleichzeitig eine perfekte, empathische Mimik simulieren, ohne jemals in diese soziale Starre zu verfallen. Für den menschlichen Betrachter entsteht dadurch ein gefährlicher Kontrast: Der arbeitende Mensch wirkt im direkten Vergleich „sozial unzulänglich“ oder noch „hölzerner“ als ohne disen Vergleich. Währenddessen liefert die KI eine fehlerfreie soziale Performance, die keine kognitiven Pausen kennt.

Kategorien
Technik

Verfilmung von Romanen

Einen Roman zu lesen vermittelt fantasievolle, mitunter bildhaft originelle Eindrücke. Irgendwie schwebt dem Leser dessen Handlungsort und die Gestalt seiner Protagonisten vor, und später schaut man sich oft einen Film dazu an. Manchmal verhält es sich umgekehrt; zuerst wird der Film angeschaut und später das entsprechende Buch gekauft.

Schriftsteller und Regisseure arbeiten hier zusammen. Deren Ergebnisse dürfen nicht enttäuschen. Gleichzeitig verfügt ein Regisseur über andere Möglichkeiten und arbeitet an einer weitaus höheren Komplexität als ein Schriftsteller.

Ein Artikel der «Welt» stellt die Situation am Beispiel der französischen Filme dar, die auf Bücher von «Honore de Balzac» aufbauen.

https://www.welt.de/kultur/kino/article242895083/Verlorene-Illusionen-Warum-das-Kino-nicht-fertig-wird-mit-Honore-de-Balzac.html

Die Kunst profiliert sich hier dadurch, indem man sowohl die Romanhandlung in einen Film gießen konnte, und der Film dessen ursprüngliche Botschaft wiedergibt, als auch indem er rege Diskussionen zu entfachen vermag. Es soll also über den Film gesprochen werden, was zudem eine lebendig ansprechende Umsetzung erfordert.

Kategorien
Technik

Lebendige Technik im Museum für Kommunikation

Das ehemalige Postmuseum in Bern ist zum Museum für Kommunikation ausgebaut. Zu Präsentationen werden dort Filme eingesetzt. Intensiv wird das Publikum einbezogen.

Im Filmkaraoke kann getestet werden, wie gut die schauspielerischen Fähigkeiten sind; Mimik und Haltung sollen nachgeahmt werden. An einer anderen Station kann mit zahlreichen Realitäten der Stadt Bern interagiert werden. Schliesslich bestehen etliche Animationen, die alltägliche Kommunikationsformen beleuchten.

Mit visuellen Animationen, Bildern, Fotos, alten und neuartigen Gerätschaften inspiriert das Museum dazu, sich mit dem Thema Kommunikation und verschiedenen Kommunikationsarten auseinanderzusetzen. Auch die beiden Themengebiete Sprache und Kultur beinhaltet das Thema Kommunikation und werden beleuchtet. Zudem setzen vielerlei Spielmöglichkeiten die Fantasie der Besucher frei.

Jährlich bereitet das Museumsteam eine große Wechselausstellung für die Zeit zwischen November und Juli vor. Fleißig wird hierfür mit visuellen Medien, aber auch Menschen zusammengearbeitet. Im Museum gehen die Mitarbeitenden auf die Besucher zu, oder Mitarbeitende führen sogar kurze Theaterstücke auf.
Ein prima Museum Für Filminteressierte;

Museum für Kommunikation
Helvetiastr. 16
CH-3000 Bern

+41 31 357 55 55
communication@mfk.ch
mfk.ch

Öffnungszeiten:
Dienstag-Sonntag 10-17 Uhr

Kategorien
Technik

Sprechende Bilder aus Wurlitz

1826 entstanden durch Joseph Nicéphore Niépce die ersten Fotografien, und erst 70 Jahre später gelang es den Gebrüdern Lumière den ersten Film zu produzieren. Doch ein Element fehlte, der Ton. Der Sohn eines Schmiedes überlegte, den Ton auf eine Filmrolle aufzuzeichnen: Im beschaulichen Ort Wurlitz entwickelte Hans Vogt ein Verfahren, das den ersten Lichttonfilm bildete.

Es dauerte noch 14 Jahre – inzwischen wurden zig Patente angemeldet – bis Hans Vogt mit Joseph Massolee und Joe Engl die Gesellschaft Tri-Ergon gründete und das Tonfilmverfahren entwickelte.

Nochmals drei Jahre dauerte es, bis im Berlin Alhambra Kino der erste Film aufgeführt wurde, in welchem Bild und Ton synchron abliefen. Die Idee dahinter war, den Ton in elektrische Frequenzen umzuwandeln, die auf raffinierte Weise mit der Bildspur synchronisiert werden.

Doch die Filmstudios zeigten wenig Interesse, denn alles war seit langem auf Stummfilm aufgebaut. Die Erfindung versenkte man daher erstmals, aber die Rechte dafür wanderten in die Schweiz. Die UFA produzierte zwei Jahre später einen weiteren Tonkurzfilm; wieder ein Desaster, der Ton versagte komplett während der Uraufführung.

Schliesslich kaufte die amerikanische Fox die Rechte und produzierte «The Jazz Singer«, dabei koppelten sie den Kinematographen an das Grammophon. Doch wenig später besannen sich deutsche Ingenieure wieder auf die Wurzeln des Films. Doch die Stummfilmoperette «Ich küsse Ihre Hand, Madame» sorgte am 16. Januar 1929 anhand einer Tonfilm-Einlage und eines Kurzfilms im Vorprogramm für den Durchbruch des Tonfilms.

Einer der Erfinder wechselte zu Fox über, ein anderer blieb beim deutschen Film. Es kam zum Tonfilmfrieden, der die Märkte aufteilte. Der letzte der drei Erfinder, nämlich Hans Vogt selbst gründete in Passau die Sumida AG und kümmerte sich um Hochfrequenzspulen und damit um bessere Hörqualitäten.

Hier ein interessanter Beitrag

Ausstellung:
Museumszentrum Rehau
Maxplatz 5-9
D-95111 Rehau

+49 9283 2026